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Report: OpenStack im Unternehmenseinsatz – Teil 1: Grundlagen und aktueller Einsatz

Der OpenStack Zug nimmt auch in Deutschland langsam Fahrt auf. Die Anzahl der Anfragen von CIOs, die das Open Source-basierte Cloud Management-Framework als Alternative evaluieren, ist in den vergangenen 6 Monaten deutlich gestiegen, wie interne Statistiken von Crisp Research belegen.

Für immer mehr Unternehmen stellt sich die Frage, ob OpenStack in den kommenden Jahren ein fester Bestandteil der Cloud-Integrationsstrategie wird und demnach bei der Planung und Implementierung hybrider Cloud-Infrastrukturen mit berücksichtigt werden muss.

Im Rahmen mehrerer aktueller Research-Projekte geht Crisp Research der Fragen nach, inwieweit OpenStack schon „Enterprise-ready“ ist und welche Hürden bis zur Enterprise-Grade Cloud Management Plattform noch zu nehmen sind. In diesem kostenlosen Report wird ein Überblick zur Entwicklung, den Komponenten und aktuellen Einsatzszenarien gegeben.

Der Report steht kostenlos unter „OpenStack im Unternehmenseinsatz (Teil 1)“ zum Download zur Verfügung.

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Die Community Cloud wird an Bedeutung gewinnen.

Wie kommen Unternehmen aus der Cloud heraus ohne ihre Komfortzone zu verlieren. Diese Fragen hören wir immer wieder. Ich bin der Meinung, dass man sich nicht zwangsläufig aus der Cloud zurückziehen muss, sondern einfach versuchen sollte, mehr Kontrolle zurückzugewinnen und die Ideen der Cloud für sich selbst zu nutzen. In diesem Zusammenhang sollte man die Community Cloud in Betracht ziehen, denn diese wird in meinen Augen immer mehr an Bedeutung gewinnen. Der Bedarf und vor allem das Verständnis hierfür muss nur geweckt werden. Tenor: “Aufbau einer eigenen Hosted Private Cloud, betrieben von einer Gemeinschaft die sich vertraut.” Das ist sowohl für Unternehmen, Organisationen, Bürogemeinschaften und regelmäßige Projektpartner interessant.

Was ist eine Community Cloud?

Innerhalb einer Community Cloud schließen sich Unternehmen einer gleichen Branche zusammen und fassen ihren eigenen Private Clouds zu einer Community Cloud zusammen, die nur exklusiv diesen Mitgliedern zugänglich ist. Community Clouds bieten sich an, wenn Unternehmen dieselben Anforderungen und Aufgaben haben und die Infrastruktur auf ähnliche Weise nutzen wollen. Der Vorteil einer Community Cloud besteht in der Reduzierung des Kapazitätsbedarfs und somit einer verbesserten Ressourcenallokation auf Grund der gemeinsamen Nutzung von Ressourcen. Dies führt zu einer allgemeinen Kostenreduzierung und verringert den allgemeinen Overhead. Abgesehen von der darunterliegenden Infrastruktur können alle Mitglieder der Community Cloud ebenfalls dieselben Services und Applikationen gemeinsam nutzen.

Ein sehr gutes Beispiel für eine Community Cloud ist das ENX Netzwerk, ein Zusammenschluss der „europäischen Automobilindustrie für den sicheren Austausch kritischer Entwicklungs-, Einkaufs-, und Produktionssteuerungsdaten.“ Das ENX bietet den angeschlossenen Automobilherstellern- und Lieferanten unternehmensübergreifende Managed Security Services und einen einheitlichen Service Level des darunter liegenden Netzwerkes. Gleichzeitig ist das ENX Netzwerk für die angeschlossenen Nutzer so offen und flexibel gestaltet wie das öffentliche Internet.

Gründe für eine Community Cloud

Bereits das Ergebnis einer BITKOM Studie im Februar 2013 kam zu dem Ergebnis, dass im Jahr 2012 immerhin 34 Prozent auf eine Private Cloud setzen und 29 Prozent planen, diese Cloud-Form in Zukunft einzusetzen. Der Grund dafür liegt in der Angst vor einem Datenverlust in der Public Cloud. Das sagten zumindest 79 Prozent.

Die Neuauflage der BITKOM Studie, mit aktuellen Ergebnissen für das Jahr 2013, liefert ein paar Veränderungen. Weiterhin setzten mit 36 Prozent der befragten Unternehmen die meisten auf eine Private Cloud. Das sind zwei Prozent mehr als im Jahr 2012. Das Interesse an der Public Cloud hat mit insgesamt 15 Prozent deutlicher zugenommen.

Interessanterweise gaben allerdings auch 77 Prozent der Unternehmen an, dass die größte Hürde für den Einsatz einer Private Cloud [… die Sorge vor einem unberechtigten Zugriff auf sensible Daten …] ist. Weitere 45 Prozent haben Angst vor einem Verlust der Daten, die in der Private Cloud gespeichert sind.

Zukunftssicherheit, Vertrauen und Abhängigkeit

Während eines Vortrags bei einem Unternehmen dessen Namen ich nicht nennen darf und mit Folien die nicht öffentlich zugänglich sind, habe ich in meinen zukünftigen Cloud-Trends die Treiber für die steigende Bedeutung von Community Clouds aufgezeigt.

Ich habe dabei die drei Treiber als „höhere Zukunftssicherheit“, „größeres Vertrauen“ und „weniger Abhängigkeit/ mehr Kontrolle“ charakterisiert. Es sind exakt die Themen, die auch in aktuellen Diskussionen immer wieder aufkommen. Damals, im März 2013, habe ich die „höhere Zukunftssicherheit“ am Beispiel der Schließung vom Google Reader festgemacht. Da die Nutzer sich nicht sicher sein können, wie lange ein Cloud Service überhaupt überlebt. Als Beispiel für „größeres Vertrauen“ mussten die mittlerweile bestätigten Berichte, dass Amazon AWS eine Cloud für den CIA bauen soll, herhalten. Schließlich sollte man schon stutzig werden, wenn ein Marktführer mit einem Geheimdienst zusammenarbeitet – wie wir mittlerweile alle feststellen durften… Den Grund für „(weniger) Abhängigkeit“ habe ich aus dem Zeit-Artikel „Das autarke Dorf„, der im selben Zeitraum erschienen ist und bei dem es darum geht, dass ein kleines Dorf in Brandenburg sich unabhängig von den Energiekonzernen gemacht hat und dort sogar ein eigenes Stromnetz besitzt. Cloud Computing = Utility Computing = Stromnetz…

Maximale Zentralität hin zur Semi-Dezentralität

Allein auf Grund dieser drei Treiber, plus den aktuellen Diskussionen, sehe ich ein wachsendes Potential für die Community Cloud, die derzeit noch keine große Verbreitung hat. In diesem Zusammenhang sehe ich zudem einen Wechsel von einer zurzeit stark ausgeprägten Zentralität zu einer Semi-Dezentralität.

Die meisten Unternehmen und Organisationen sehen in der Public Cloud einen großen Vorteil und wollen in ihren Genuss kommen, um Kosten zu reduzieren, ihre IT zu konsolidieren und gleichermaßen mehr Skalierbarkeit und Flexibilität erhalten. Auf der anderen Seite sind Zukunftssicherheit, Vertrauen, Abhängigkeit und Kontrolle wichtige Artefakte, die niemand gerne aufgeben möchte.

Die Community Cloud ist der Mittelweg, um beides zu erreichen. Zukunftssicherheit, Vertrauen, Abhängigkeit und Kontrolle durch den Einfluss, was in der Community Cloud passiert und die Vorteile einer Public Cloud, durch das Partizipieren von einer echten Cloud Infrastruktur.

Tipp: Hosted Community Cloud

Es stehen mittlerweile einige Lösungen bereit, die als Basis für die eigene professionelle (Community) Cloud genutzt werden können. Dabei sollte man jedoch immer ein Auge auf die grundlegende Infrastruktur richten, die das Rückgrat der gesamten Cloud bildet. In diesem Zusammenhang darf man allerdings auch nicht den Aufwand unterschätzen, den es bedeutet, eine professionelle Cloud-Umgebung aufzubauen, ordnungsgemäß zu betreiben und zu warten. Weiterhin sind die Kosten für die notwendigen physikalischen Ressourcen zu kalkulieren.

Aus diesem Grund macht es für viele kleinere und mittlere Unternehmen, aber auch Bürogemeinschaften, Co-Working Spaces oder regelmäßige Projektpartnerschaften Sinn, den Community Cloud Gedanken in Betracht zu ziehen, um in den Genuss der Public Cloud (Shared Umgebung) zu kommen aber weiterhin Einfluss auf die Zukunftssicherheit, das Vertrauen, die Abhängigkeit und Kontrolle der Umgebung zu haben und Kostenvorteile u.a. durch Ressourcenallokation zu erzielen. Hierzu sollte man sich zudem überlegen, ein Team aufzubauen, dass sich exklusiv um den Aufbau, Betrieb, die Administration und Wartung der Community Cloud kümmert. Vergleiche dazu das ENX-Netzwerk. Dafür ist kein eigenes Rechenzentrum oder eine Co-Location erforderlich. Ein IaaS-Anbieter kann dazu als ideale Basis für eine Hosted Community Cloud dienen.

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Integration und Cloud Computing: Irgendetwas zwischen Versprechen, Erwartungen, Komplexität und Mehrkosten

Cloud Computing Anbieter sollten sich der Realität stellen und ihren potentiellen Kunden die Wahrheit sagen! Die Integration im gesamten Cloud Stack sorgt für die größte Komplexität in der Cloud. Das beinhaltet ebenfalls die weiteren Kosten die kein Public Cloud Anbieter neben seinen on Demand und pay per use Versprechen transparent auf seinen Marketingfolien stehen hat. Ein Überblick.

Wie ist die Erwartungshaltung der Anwender?

Cloud Computing Anbieter versprechen neben der bedarfsgerechten Nutzung (on Demand) und Abrechnung (Pay per use) einen einfachen Zugriff auf IT-Ressourcen. Das hört sich auf dem Papier fantastisch an und funktioniert in der Regel sehr gut. Der Spaß hört allerdings auf wenn es darum geht, bestehende Systeme oder gar neue Services in der Cloud zu kombinieren. Die Integration verursacht die größten Schmerzen.

Gespräche mit Anwendern und Anfragen von an der Cloud interessierten Unternehmen spiegeln eine harte Realität wieder. Die Erwartungshaltungen bestehen z.B. darin, existierende on Premise Lösungen gegen 1:1 Äquivalente in der Cloud zu ersetzen. Die Hoffnung besteht, dass sich damit der Integrationsaufwand – der früher on Premise bestand – deutlich einfacher realisieren lässt, da sich die Systeme der jeweiligen Anbieter „bereits innerhalb einer zentralisierten Infrastruktur befinden“. Es wird also davon ausgegangen, dass sich die altbekannte Schnittstellenproblematik, die jeder IT-Abteilung seit Jahrzehnten große Probleme bereitet, einfacher umsetzen lässt. Dabei handelt es sich aus Anwendersicht um eine nachvollziehbare Erwartungshaltung. Schließlich halten die Anbieter die Fäden innerhalb ihrer Cloud Infrastruktur (auch SaaS-Angebote) in der Hand und könnten eine einfachere Integration zwischen mehreren Systemen aus dem eigenen Hause bieten.

Ähnliche Rückmeldungen kommen von den Cloud Systemintegratoren. APIs und die Integration von anbieterübergreifenden Services aber ebenfalls anbieterproprietären Services sorgen in der Cloud für den selben Aufwand wie on Premise.

Wie sieht die Realität aus?

Im Prinzip sollte die Cloud das Mekka für jeden IT-Verantwortlichen sein. Er kann sich die besten Services für seinen Anwendungsfall heraussuchen, diese vorab ohne großen Aufwand testen und anschließend integrieren. Das ganze Ausmaß des Disasters spiegeln allerdings bereits aktuelle Cloud Marktplätze wieder. Cloud-Marktplätze versuchen Best-of-Breed Lösungen zu katalogisieren, indem sie einzelne Cloud-Lösungen in unterschiedliche Kategorien zusammenfassen und Unternehmen damit ein umfangreiches Portfolio verschiedener Lösungen bieten, mit der sich eine Cloud-Produktivitäts-Suite zusammenstellen lässt. Dennoch zeigen diese Marktplätze, obwohl sie sehr stark kontrolliert und vermeintlich integriert sind, an einer entscheidenden Stelle massive Probleme mit der Integration. Es existieren viele einzelne SaaS-Applikationen die nicht zusammenspielen. Das bedeutet, dass keine gemeinsame Datenbasis existiert und das z.B. der E-Mail Service nicht auf die Daten im CRM-Service zugreifen kann und umgekehrt. Damit entstehen einzelne Datensilos und Insellösungen innerhalb des Marktplatzes.

Die Anzahl neuer SaaS-Applikationen wächst täglich und damit auch der Bedarf, diese unterschiedlichen Lösungen miteinander zu integrieren und Daten austauschen zu lassen. Aktuell bewegt sich der Cloud-Markt jedoch unkontrolliert auf viele kleine Insellösungen zu, die jede für sich zwar einen Mehrwert bieten, in der Summe jedoch zu vielen kleinen Dateninseln führen. Mit solchen Entwicklungen haben Unternehmen schon in den Zeiten vor der Cloud zu kämpfen gehabt und das vergebens.

Worauf sollte man achten?

Eines sollten (angehende) Cloud Nutzer beachten und vor allem verstehen. Die Cloud ist ungleich der bekannten on Premise Infrastruktur. Das bedeutet, selbst die Migration eines E-Mail Systems, einer der vermeintlich höchststandardisierten Anwendungen, wird dabei zum Abenteuer. Das liegt daran, dass viele Unternehmen kein Standard E-Mail System nutzen und stattdessen weitere proprietäre Add-ons oder selbstentwickelte Erweiterungen angebunden haben, die so nicht in der Cloud existieren.

Hinzu kommen weitere Applikationen, die einfach zur IT-Enterprise Architektur dazu gehören und höchst individuelle Ansprüche erfüllen. Ich habe mit dem Strategie-Manager eines deutschen DAX Unternehmens gesprochen das weltweit tätig ist und eine Cloud Strategie evaluiert. Das Unternehmen verfügt Global über etwa 10.000(!) Applikationen (Desktop, Server, Produktionssysteme usw.). Dieses Beispiel ist sehr extrem und spiegelt nicht die durchschnittlichen Herausforderungen eines Unternehmens dar. Es zeigt aber die Dimension, in der man sich bewegen kann und die sich ebenfalls auf deutlich kleinere Applikations-Infrastrukturen herunterbrechen lassen.

Vor dem Weg in die Cloud sollten sich IT-Entscheider daher darüber Gedanken machen und die Chance nutzen, die alten über die Jahre hinweg entstandenen Sonderlocken abzuschneiden. Eine 1:1 Migration wird ohne großen Aufwand und Mehrkosten nicht funktionieren und die Einsparpotentiale, welche die Cloud bietet, relativieren. Wer sich für den Umzug seiner individuell entwickelten Applikationen auf eine Cloud Infrastruktur (IaaS) bzw. Platform (PaaS) entscheidet sollte einplanen, das er mit der Entwicklung dieser Applikation auf der grünen Wiese startet. Eine 1:1 Migration wird (evtl. je nach Cloud Infrastruktur/ Platform) nicht funktionieren und ist ein Mythos.

Wer Hilfe beim Betrieb seiner virtuellen Infrastruktur (IaaS) bzw. Entwicklungsplattform (PaaS) benötigt, sollte nicht auf einen Public Cloud Anbieter setzen, sondern auf einen Managed Cloud Anbieter bzw. Hosted Private PaaS Anbieter, die beide zusätzlich Professional Services bieten.

Cutting out the middleman funktioniert nicht!

Die Public Cloud hat auf Grund des Self-Service den Beigeschmack des „Cutting out the middleman“, bei dem ein Zwischenhändler nicht mehr benötigt wird, da sich der Endkunde direkt beim Hersteller bedient. Für Distributoren, die sich ausschließlich auf den reinen Wiederverkauf von Software und Hardware spezialisiert haben, trifft dies auch zu. Software-as-a-Service wird zu deren Tod führen, wenn sie sich nicht verändern. Cloud Natives (Startups, innovative Unternehmen) werden sich ebenfalls den Self-Service zu nutze machen. Allerdings gilt das nicht für die Masse im Unternehmensumfeld.

Systemintegratoren werden wichtiger als jemals zuvor. „Cutting out the middleman“ in der Public Cloud funktioniert nicht. Dafür sind die Schnittstellenproblematik und das fehlende Cloud Wissen zu gegenwärtig. Carlo liegt mit seiner Vermutung, dass Accenture mit Cloud Beratung und Integration bereits 3,6 Milliarden Dollar Umsatz macht, tendenziell richtig. Die Indizien und Rückmeldungen aus dem Markt sind eindeutig.

Auf jeden Fall dürfen sich Systemintegratoren und Integration-as-a-Service Anbieter auf eine rosige Zukunft freuen.

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Enterprise Cloud: IBM bringt sich in Position

Letzte Woche hat IBM angekündigt mehr als 1,2 Milliarden US-Dollar in den Ausbau seines globalen Cloud Angebots zu investieren. Hierzu sollen Cloud-Services aus weltweit 40 Rechenzentren in 15 Ländern bereitgestellt werden. Deutschland wird IBM aus einem Rechenzentrum in Ehningen versorgen. Dabei wird Softlayer, das IBM in 2013 übernommen hat, eine Schlüsselrolle spielen, dessen Kapazitäten sich in diesem Zuge verdoppeln sollen.

Investitionen sind ein deutliches Zeichen

Die 1,2 Milliarden US-Dollar sind nicht die ersten Investitionen, die IBM in den vergangenen Jahren in sein Cloud Business fließen lässt. Seit 2007 wurden über 7 Milliarden US-Dollar in die Expansion des Geschäftsfeldes investiert. Darunter 2 Milliarden US-Dollar für Softlayer. Hinzu kommen mehr als 15 weitere Akquisitionen die Cloud Computing Lösungen und Know-How in das Unternehmen gebracht haben. Die letzte große Ankündigung war die Summe von 1 Milliarde US-Dollar, die IBM in sein Cognitive Computing System Watson investieren wird, um es u.a. der breiten Masse als Service zur Verfügung zu stellen.

Diese Investitionen zeigen, dass es IBM mit der Cloud tatsächlich ernst meint und sie als eine Säule für seine zukünftige Unternehmensstrategie sieht. So sieht auch die Erwartungshaltung aus. IBM geht davon aus, dass der weltweite Cloud-Markt bis zum Jahr 2020 auf mehr als 200 Milliarden US-Dollar wachsen wird. Bis zum Jahr 2015 will IBM jährlich sieben Milliarden US-Dollar weltweit mit seinen Cloud-Lösungen erwirtschaften.

Softlayer Positionierung ist von entscheidender Bedeutung

Ein Besonderes Augenmerk will IBM auf die Softlayer Cloud legen. Hierzu sollen sich die Kapazitäten im Jahr 2014 verdoppeln. Laut IBM konnten durch den Zukauf des Cloud Computing Anbieter in 2013 fast 2.400 neue Kunden gewonnen werden. Mit Softlayer sollen die wichtigsten Märkte und Finanzzentren gezielt gestärkt werden. Weiterhin soll die Softlayer Cloud in Zukunft auch von der Watson Technologie profitieren.

Die Akquisition von Softlayer war ein wichtiger Schritt für IBMs Cloud-Strategie, um sich eine bessere Cloud-DNA einzuverleiben. Die IBM SmartCloud hat bis zum heutigen Tag enttäuscht. Das ergeben nicht nur Gespräche mit potentiellen Kunden die sich zum größten Teil negativ über das Angebot und die Nutzung geäußert haben.

Spannend wird die Erweiterung der Softlayer Cloud werden. Laut der offiziellen Softlayer Webseite werden derzeit an sieben Standorten weltweit mehr als 191.500 Server betrieben.

  • Dallas: 104,500+ Server
  • Seattle: 10,000+ Server
  • Washington: 16,000+ Server
  • Houston: 25,000+ Server
  • San Jose: 12,000+ Server
  • Amsterdam: 8,000+ Server
  • Singapore: 16,000+ Server

Das sind im Vergleich zu anderen Cloud Playern wie die Amazon Web Services (über 450.000), Microsoft (etwa 1.000.000) und Google allerdings nur Peanuts. Selbst nach einer Verdopplung im Jahr 2014 auf 383,300 Server.

IBMs weltweite Cloud Rechenzentren

Ein Teil der genannten 1,2 Milliarden US-Dollar sollen im Jahr 2014 genutzt werden, um insgesamt 15 neue Rechenzentren zu eröffnen. In der Summe sollen dann 40 Rechenzentren verteilt auf 15 Länder die weltweite Basis der IBM Cloud bilden. Die neuen Cloud-Rechenzentren werden in China, Hongkong, Japan, Indien, London, Kanada, Mexiko City, Washington D.C. und Dallas entstehen. Das deutsche Cloud-Rechenzentrum steht in Ehningen bei Stuttgart das Schweizer in Winterthur.

Auf der technischen Seite besteht jedes neue Cloud-Rechenzentrum aus mindestens vier sogenannten PODS (Points of Distribution). Eine eigenständige Einheit besteht aus 4.000 Servern. Jeder POD arbeitet unabhängig von den anderen PODs, um die Services bereitzustellen und soll eine garantierte Verfügbarkeit von 99,9 Prozent aufweisen. Kunden können sich für die Nutzung eines POD mit 99,9 Prozent Verfügbarkeit entscheiden oder eine Verteilung über mehrere PODs wählen, um damit das Verfügbarkeitsverhältnis zu erhöhen.

Der Footprint im Unternehmensumfeld

IBM will sich mit seinen Investitionen klar gegen die Amazon Web Services positionieren. Man muss jedoch eines unterscheiden. Amazon AWS (AWS) ist einzig und alleine in der Public Cloud vertreten und wird dieses laut Aussage von Andy Jassy auf der letzten re:Invent auch bleiben. AWS glaubt an die Public Cloud und es besteht kein Interesse auch in (Hosted) Private Cloud Infrastrukturen zu investieren. Ein Unternehmen, das bei AWS jedoch das nötige Kleingeld mitbringt erhält dort durchaus seine eigene private Region, die von AWS verwaltet wird (ähnlich AWS GovCloud).

Beim Wettbewerb zwischen IBM und AWS geht es in erster Linie nicht um den Vorsprung in der Public, Private oder sonst einer Art von Cloud-Form. Es geht um die Vormachtstellung bei den Unternehmenskunden. AWS ist mit Startups und Entwicklern groß geworden und versucht seit geraumer Zeit auch die Attraktivität bei den Unternehmen zu erhöhen. Das haben sie mit mehreren neuen Services auf der vergangenen re:Invent gezeigt. Dabei handelt es sich allerdings um einen Markt, auf dem IBM bereits seit Jahrzehnten vertreten ist und über eine gute und breite Kundenbasis sowie wertvolle Kontakte bei den Entscheidern verfügt. Das ist ein Vorteil der, trotz AWSs derzeitigen technischen Vorsprung, nicht zu unterschätzen ist. Ein weiterer Vorteil der für IBM zum Tragen kommt ist die große Basis an Partnern im Bezug auf die technische Unterstützung und dem Vertrieb. Denn der reine Self-Service, den eine Public Cloud bietet, passt nicht zum Großteil der Unternehmenskunden. Dennoch muss IBM zusammen mit der Softlayer Cloud bei den Unternehmen erst noch technisch überzeugen und den Kunden einen konkreten Nutzen für die Wertschöpfung aufzeigen um erfolgreich zu sein.

Was sich für IBM als ein Vorteil gegenüber anderen Cloud-Anbietern wie AWS erweisen wird, ist die lokale Präsenz mit Rechenzentren in mehreren Ländern. Insbesondere der deutsche Markt wird dies zu schätzen wissen, wenn ebenfalls das Angebot stimmt. Hier bleibt es spannend zu sehen, ob andere US Cloud-Anbieter nachziehen werden und ein Rechenzentrum in Deutschland eröffnen, um den Bedenken deutscher Unternehmen entgegenzukommen.

IBMs Investitionen zeigen, dass der Anbieter die Cloud als eine zukünftige tragende Säule sieht und in diesem Bereich ein tragfähiges Geschäft aufbauen will.

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Ab in die Private Cloud. OpenStack ist keine Infrastrukturlösung für die Public Cloud!

OpenStack ist unbestritten der neue Star am Himmel für Open-Source Cloud-Infrastrukturen. Zahlreiche bekannte Größen, darunter Rackspace, RedHat, HP, Deutsche Telekom und IBM setzen auf die Software, um ihre Angebote aufzubauen. Aber ein Thema bleibt spannend. Alle reden davon, dem unangefochtenen Marktführer Amazon Web Services Marktanteile abzunehmen. Allen voran die genannten Public Cloud Anbieter, die sich für OpenStack entschieden haben. Keine Frage, im großen Cloud Computing Markt wird jeder seinen Platz finden. Aber ist OpenStack die richtige Technologie, um ein Marktführer in der Public Cloud zu werden oder reicht es am Ende „nur“ für die Private Cloud (Hybrid Cloud)?

Rackspace erweitert sein Portfolio um Cloud Consulting-Services

Ich hatte bereits über das Diversifikationsproblem geschrieben und habe in diesem Zusammenhang OpenStack als den goldenen Käfig bezeichnet, da alle beteiligten Anbieter im selben Dilemma stecken und sich nicht voneinander unterscheiden. Denn stellt man alleine nur die beiden Top OpenStack Anbieter Rackspace und HP gegenüber, dann zeigt sich, dass die Portfolios in etwa zu 99 Prozent gleich sind.

Um die Gunst seiner Shareholder zu besänftigen hat Rackspace bereits erste neue Wege beschritten und seine Strategie verändert und damit selbst die Aufholjagd in der Public Cloud gestoppt. Laut Rackspace CTO John Engates fragen Kunden verstärkt um Hilfe, damit Rackspace mit seinen Kenntnissen beim Aufbau von Cloud Infrastrukturen hilft. Rackspace wird sich in Zukunft somit scheinbar etwas weniger auf das Hosting von Cloud Services konzentrieren und stattdessen mehr in Beratungsdienstleistungen von Cloud Infrastrukturen investieren. Dabei könnte es sich um einen klugen Schachzug handeln. Schließlich ist die Nachfrage nach Private Cloud Infrastrukturen ungebrochen und OpenStack wird hier eine führende Rolle einnehmen. Eine weitere Chance könnte hier mit der Hybrid Cloud bestehen, indem die Private Cloud Infrastrukturen mit Rackspaces Public Cloud verbunden werden.

Eigene Technologien sind ein Wettbewerbsvorteil

Eine weitere interessante Frage ist, ob eine Technologie, was OpenStack letztendlich nur ist, entscheidend für den Erfolg ist? Ein Blick auf führende Anbieter wie die Amazon Web Services, Microsoft Windows Azure und nun auch die Google Compute Engine sowie deren gefühlte Kronprinzen (CloudSigma, ProfitBricks) zeigen eines. Alle haben proprietäre Infrastrukturlösungen unter den IaaS-Angeboten aufgebaut. Zwar setzen soweit alle an der einen oder anderen Stelle auf eine Open-Source Lösung. Aber am Ende ist alles selbst entwickelt und integriert. Das führt zu der Schlussfolgerung, dass proprietäre Technologien ein Wettbewerbsvorteil sind, da schließlich nur ein einziger Anbieter davon profitiert. Oder war Amazon AWS doch „einfach nur der erste Anbieter am Markt“ und hat deswegen diesen enormen Vorsprung?

Zahlen sprechen für OpenStack Private Clouds

Auf der offiziellen OpenStack Webseite werden Use Cases vorgestellt, wie OpenStack tatsächlich eingesetzt wird. Diese sind unterteilt in den Kategorien: On-Premise Private Cloud, Hosted Private Cloud, Hybrid Cloud und Public Cloud. Ein Blick auf die aktuelle Verteilung (Stand: 14.01.2014) für den OpenStack Einsatz kommt zum folgenden Ergebnis.

OpenStack-Deployments 01/14/2014

Demnach liegen On-Premise Private Cloud (55) Installation ganz klar an der Spitze mit einem weitem Abstand gefolgt von Hosted Private Cloud (19) und Public Cloud (17) Deployments. Es folgen die Hybrid Clouds (10) und nicht genauer spezifizierte Projekte (4).

Bei den Zahlen handelt es sich wohlgemerkt um die Deployments, die offiziell an OpenStack gemeldet wurden. Allerdings zeigen diese eine deutliche Tendenz wo die Zukunft von OpenStack liegt. In der Private Cloud. Wobei ich davon ausgehe, dass Hosted Private Cloud Deployments und Hybrid Clouds noch stärker zunehmen werden. Genauso wie OpenStack Installationen, die als Mittel zum Zweck dienen und die reine infrastrukturelle Grundlage für Web-Dienste bilden.

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Egal ob Public oder Private, auf eine Cloud kann niemand mehr verzichten!

Im Jahr 2014 befinden wir uns endlich im Jahr der Cloud. Versprochen! Wie schon 2012 und 2013 wird sie auch in diesem Jahr den Durchbruch schaffen. Versprochen! Steht doch überall geschrieben. Legen wir den Sarkasmus mal ein wenig beiseite und schauen der Realität ins Auge, sieht die Wahrheit gar nicht so düster aus. Es kommt nur auf die Form der Cloud an. IDC und Gartner sprechen von Milliarden von Dollar, die in den kommenden Jahren in den weltweiten Public IaaS Markt investiert werden sollen. Crisp Research hat sich für 2013 den deutschen IaaS Markt angeschaut und kommt zu völlig gegensätzlichen Zahlen. In Public IaaS wurden in etwa 210 Millionen Euro, in Private Cloud Infrastrukturen hingegen mehrere Milliarden Euro investiert. Gegensätzlicher können sich zwei Märkte fast nicht verhalten. Aber das ist ok, das ist unsere deutsche Mentalität. Vorsichtig. Langsam. Erfolgreich. Eines sollten sich Unternehmen für 2014 und die kommenden Jahre jedoch auf die Agenda schreiben. Egal ob es nun um eine Public oder Private Cloud geht. Eines ist sicher, auf eine Cloud kann kein Unternehmen mehr verzichten! Garantiert! Warum? Weiterlesen.

Das Bereitstellungsmodell der IT hat sich verändert

Im Kern geht es bei einer Cloud um die Art und Weise wie IT-Ressourcen bereitgestellt werden. Das erfolgt on-Demand über einen Self-Service und nach einem Verrechnungsmodell, dass die Kosten nach dem tatsächlichen Verbrauch bestimmt.

Die oben genannten IT-Ressourcen, in Form von Applikationen (SaaS), Plattformen (Entwicklungsumgebungen; PaaS) und Infrastrukturen (virtuelle Server, Speicherplatz; IaaS), werden als Services bereitgestellt, die sich ein Nutzer bestellen kann. Das bedeutet im Umkehrschluss allerdings auch, dass bei einer gewöhnlichen Virtualisierung nicht aufgehört werden darf. Virtualisierung ist nur ein Mittel zum Zweck. Schließlich muss der Nutzer auch irgendwie an die Ressourcen gelangen. Zum Telefonhörer greifen, die IT-Abteilung anrufen und warten ist kein Zeichen davon, dass eine Cloud-Infrastruktur vorhanden ist. Ganz im Gegenteil.

Über welche Art von Cloud die Ressourcen nun bereitgestellt werden, das ist abhängig vom Use Case. Es gibt nicht die „Über Cloud“, die alle Probleme auf einmal löst. Für eine Public Cloud existieren genügend Anwendungsfälle. Sogar für Themen oder Industrien, die im ersten Moment weit weg erscheinen. Unterm Strich handelt es sich in vielen Fällen um eine Frage der Daten. Und genau diese gilt es zu klassifizieren. Dann kann es zur Entscheidung kommen, dass nur eine Private Cloud in Frage kommt. In diesem Fall wird man als Unternehmen dann selbst zum Cloud-Anbieter (mit allen Höhen und Tiefen die ein Public Cloud Anbieter zu bewältigen hat), baut eine eigene Cloud-Infrastruktur auf und versorgt direkt seine internen Kunden. Oder man geht zu einem der Managed Cloud Anbieter, die innerhalb einer dedizierten Umgebung eine Private Cloud exklusiv nur für einen Kunden betreiben und zudem Professional Services im Portfolio haben, die Public Cloud Anbieter in der Regel nur über ein Partnernetzwerk bieten.

Es ist einzig und alleine entscheidend, dass Unternehmen sich einem Cloud-Modell zuwenden, denn …

Mitarbeiter fordern Services on Demand

Mitarbeiter wollen Service(s) und sie wollen diese(n) jetzt und nicht in zwei Wochen oder drei Monaten. Und wenn sie nicht das bekommen was sie benötigen, dann finden sie einen Weg es zu bekommen. Ehrlich! Es existieren seit geraumer Zeit viele attraktive Alternativen auf dem IT-Markt, die nur ein paar Mausklicks und eine Kreditkartennummer entfernt sind die Bedürfnisse zu befriedigen. Das speziell im IaaS Bereich dann noch sehr viel Arbeit wartet, diese Falle ist den meisten nicht IT-lern erst einmal nicht bewusst. Aber Sie haben augenscheinlich das bekommen, was sie brauchten und wenn es nur der Wunsch nach Aufmerksamkeit war. Der Cloud-Anbieter hat schließlich sofort reagiert. Das Wunder des Self-Service!

IT-as-a-Service ist nicht nur irgendein Buzz-Word. Es ist die Realität. IT-Abteilungen sind dem Druck ausgesetzt, wie eine eigene Business Einheit geführt zu werden und selbst Produkte und Services für das eigene Unternehmen zu entwickeln oder zumindest nach den Bedürfnissen bereitzustellen. Sie müssen daher proaktiv reagieren. Und damit ist nicht das Anlegen von Handschellen gemeint, indem die Ports der Firewall geschlossen werden. Nein, hier geht es darum sich selbst zu hinterfragen.

Das dies funktioniert hat die Deutsche Bahn Tochter DB-Systel eindrucksvoll bewiesen, indem sie den Bereitstellungsprozess mit einer eigenen Private Cloud von 5 Tagen auf 5 Minuten(!) pro virtuellen Server reduziert hat.

Hybrid Cloud im Auge behalten

Bei den ständigen Diskussionen, ob nun eine Public oder Private Cloud in Frage kommt, sollte immer die Option einer Hybrid Cloud im Hinterkopf behalten werden.

Eine Hybrid Cloud ermöglicht einen eindeutigen Use Case für den Einsatz einer Public Cloud. Dabei können bestimmte Bereiche der IT-Infrastruktur (Rechenleistung und Speicherplatz) in einer Public Cloud Umgebung abgebildet werden. Der Rest und unternehmenskritische Bereiche bleiben innerhalb der selbstverwalteten on-Premise IT-Infrastruktur oder Private Cloud.

Darüber hinaus liefert das Hybrid Cloud Modell einen wertvollen Ansatz für das Architektur-Design, indem Teile der lokalen Infrastruktur, die hohe Kosten verursachen, aber gleichermaßen schwierig zu skalieren sind, mit Infrastrukturen kombiniert werden, die massiv skalierbar und bei Bedarf provisioniert werden können. Die Anwendungen und Daten werden auf der für den Einzelfall besten Plattform ausgerollt und die Verarbeitung zwischen beiden integriert.

Der Einsatz hybrider Szenarien bestätigt die Tatsache, dass nicht alle IT-Ressourcen in Public Cloud Umgebungen abgebildet werden sollten und für einige sogar niemals in Frage kommen. Werden Themen wie die Compliance, Geschwindigkeitsanforderungen und Sicherheitsbeschränkungen betrachtet, ist eine lokale Infrastruktur weiterhin notwendig. Die Erfahrungen aus dem hybriden Modell helfen dabei aber zu verstehen, welche Daten lokal bleiben sollten und welche innerhalb einer Public Cloud Umgebung verarbeitet werden können.

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Warum ich (noch) nicht an den Deutsche Börse Cloud Exchange (DBCE) glaube

Nach einem globalen „Paukenschlag“ ist es medial wieder sehr ruhig um den „Deutsche Börse Cloud Exchange“ (DBCE) geworden. Dennoch werde ich immer wieder auf den Cloud-Marktplatz angesprochen – der die Ambitionen hat, den Infrastructure-as-a-Service (IaaS) Markt zu revolutionieren – und werde dabei um eine Einschätzung zu dessen Marktpotential und Zukunft gefragt. Nun, zusammenfassend komme ich ständig zur selben Aussage, dass ich, gemessen an der heutigen Situation, noch nicht an den DBCE glaube und ihm wenig Marktpotential einräume. Warum das so ist? Weiterlesen.

Zwei Geschäftsmodelle

Zunächst sehe ich im DBCE zwei Geschäftsmodelle. Das eine wird in 2014 zur Realität. Der Marktplatz für das Angebot und die Nachfrage von virtuellen Infrastruktur-Ressourcen (Rechenleistung und Speicherplatz), die von Anwendern für den realen Einsatz (Applikationsbetrieb, Daten speichern) genutzt werden sollen.

Bei dem zweiten Geschäftsmodell handelt es sich noch um Zukunftsmusik. Der Handel von virtuellen Ressourcen wie man es von den Futures kennt. Denn sind wir ehrlich. Was ist es, was eine Börse wirklich kann? Ihre eigentliche Aufgabe? Ihr Kerngeschäft? Den Transfer von kritischen Infrastrukturressourcen und Workloads organisieren und überwachen? Nein. Die Börse kann den Preis von virtuellen Gütern bestimmen und damit handeln lassen. Der IaaS-Marktplatz ist nur der Vorbote, um den Markt an dieses Handelsgeschäft heranzuführen und das dafür notwendige Angebot und die Nachfrage zusammenzubringen.

Anbieter und Anwender

Für einen Marktplatz werden grundsätzlich zwei Parteien benötigt. Die Anbieter und die Nachfrager, in diesem Fall die Anwender. Um die Anbieter wird sich der DBCE wenig Gedanken machen müssen. Ist der finanzielle, organisatorische und technische Aufwand relativ gering, wird die Angebotsseite relativ schnell Ressourcen zu bieten haben. Die Problematik besteht auf der Seite der Nachfrager.

Ich habe mich hierzu mit Reuven Cohen unterhalten, der mit SpotCloud im Jahr 2010 den ersten weltweiten IaaS-Marktplatz veröffentlicht hat. In der Spitze hatte SpotCloud 3.200 Anbieter(!) und 100.000 Server weltweit verwaltet. Die Nachfrageseite viel eher bescheiden aus.

Auch wenn Reuven im Jahr 2010 damit viel zu früh dran war, mache ich noch heute dafür fünf Themen verantwortlich, die den DBCE hemmen werden: Das Vertrauen, die Psychologie, die Use Cases, die Technik (APIs) und das Management.

Vertrauen und Psychologie

Die Idee hinter dem DBCE klingt theoretisch klasse. Aber warum ist der DBCE nun tatsächlich vertrauenswürdiger als andere IaaS-Marktplätze? Genießt eine Börse weiterhin dass Vertrauen für das sie als Institution steht bzw. stehen sollte? Hinzu kommt, dass IT-Entscheider ganz anders ticken. Der Großteil der Unternehmen ist weiterhin mit der Public Cloud überfordert und hat Angst die IT und Daten aus der Hand zu geben. Es gibt einen guten Grund, warum die Zahlen von Crisp Research zeigen, dass in Deutschland im Jahr 2013 nur etwa 210 Millionen Euro für Public Infrastructure-as-a-Service (IaaS) ausgegeben wurde. Hingegen lagen die Investitionen für Private Cloud Infrastrukturen bei 2,3 Milliarden Euro.

Das unterstreicht ebenfalls eine Forrester Studie, die besagt:

“From […] over 2,300 IT hardware buyers, […] about 55% plan to build an internal private cloud within the next 12 months.”

Daran wird auch ein unabhängiger Marktplatz nichts ändern. Im Gegenteil, selbst wenn der DBCE für mehr transparenz sorgen soll, schafft er eine weitere Komplexitätsebene zwischen den Anwendern und den Anbietern, die von den Anwendern erst einmal verstanden und adaptiert werden muss. Das spiegelt sich auch in den Use Cases bzw. Workloads wieder, die darauf laufen sollen.

Use Cases

Warum sollte man den DBCE nutzen? Das ist eine Frage, die nicht leicht zu beantworten ist. Warum sollte man über einen Marktplatz Ressourcen einkaufen, wenn ich sie auch von einem Anbieter direkt beziehen kann, der bereits über eine globale Reichweite, viele Kunden und eine bewährte Infrastruktur verfügt? Der Preis und die Vergleichbarkeit können ein entscheidendes Merkmal sein. Wenn die virtuelle Maschine (VM) bei Anbieter A heute ein wenig günstiger ist als bei Anbieter B, dann wird die VM bei Anbieter A genutzt. Wirklich? Nein, das würde die Anwendungsarchitektur dermaßen verkomplizieren, dass die Entwicklung für dieses Szenario in keinem Verhältnis zu dessen Nutzen steht. Cloud Computing ist eh schon viel zu kompliziert, dass ein kluger Cloud Architekt davon Abstand nehmen würde. Man sollte in diesem Zusammenhang auch nicht die technischen Hürden vergessen, die Cloud-Anwender bereits heute mit sehr weit entwickelten Cloud Infrastrukturen haben.

Ein Szenario was sich mit dem DBCE gut abbilden lassen würde ist ein Multi-Cloud Konzept um technische Risiken (z.B. Ausfall eines Anbieters) zu streuen.

Wofür wir zur nächsten und der wohl größten Hürde kommen – den APIs.

API und Management

Die Diskussionen um „den“ bevorzugten API-Standard in der Cloud hören nicht auf. Zum de-facto Standard für Rechenleistung und Speicherplatz haben sich Amazon EC2 (Compute) und Amazon S3 (Storage) entwickelt, die von so gut wie allen anderen Anbietern und Projekten unterstützt werden.

Der DBCE will sich quasi als Middleware zwischen die Anbieter und die Anwender setzen und für beide Seiten eine einheitliche eigene(!) Schnittstelle bieten. Hierzu setzt der DBCE auf die Technologie von Zimory, die zwar über offene Schnittstellen verfügt, welche aber proprietär sind. Anstatt sich auf einen bekannten Standard zu konzentrieren oder einen aus der Open-Source Gemeinde (OpenStack) zu adaptieren, versucht der DBCE einen eigenen Weg zu finden.

Frage: Mit dem Hintergrund, dass wir Deutschen, was das Thema Cloud angeht, uns bisher nicht gerade mit Ruhm bekleckert haben. Warum sollte sich der Markt auf einen neuen Standard einlassen der aus Deutschland kommt und dazu auch noch proprietär ist?

Ein weiteres Problem besteht in den Managementlösungen für Cloud Infrastrukturen. Entweder haben sich potentielle Anwender bereits für eine Lösung entschieden und stehen damit vor der Herausforderung die neuen APIs in irgendeiner Form zu integrieren oder Sie befinden sich weiterhin im Entscheidungsprozess. Hier besteht die Problematik darin, dass bisher keine gängige Cloud-Managementlösung die DBCE APIs unterstützt.

Systemintegratoren und Cloud-Broker

Es gibt zwei Zielgruppen in denen Potential steckt und die gleichzeitig die Tür zu den Anwendern öffnen können. Die Systemintegratoren (Channelpartner) und Cloud-Broker.

Ein Cloud Service Broker ist ein Drittanbieter, der im Auftrag seiner Kunden Cloud Services mit Mehrwerten anreichert und dafür sorgt, dass der Service die spezifischen Erwartungen eines Unternehmens erfüllt. Darüber hinaus hilft er bei der Integration und Aggregation der Services, um ihre Sicherheit zu erhöhen oder den originalen Service mit bestimmten Eigenschaften zu erweitern.

Ein Systemintegrator entwickelt (und betreibt) im Auftrag seiner Kunden ein System oder eine Applikation auf einer Cloud-Infrastruktur.

Da beide im Auftrag der Anwender agieren und die Infrastrukturen, Systeme und Applikationen betreiben, können sie die proprietären APIs adaptieren und stellen damit sicher, dass sich der Anwender damit nicht auseinandersetzen muss. Darüber hinaus können sowohl Systemintegratoren als auch Cloud-Broker den DBCE nutzen, um für sich kostengünstig Cloud-Ressourcen einzukaufen und ein Multi-Cloud Modell nutzen. Hierbei spielt die Komplexität der Systemarchitektur wieder ein Rolle, von welcher der End-Anwender aber nichts mitbekommen darf.

Eine Frage der Zeit

Ich habe in diesem Artikel mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet. Ich möchte den DBCE auch nicht zu negativ bewerten, denn die Idee ist gut. Aber die oben genannten Punkte sind essentiell wichtig, um überhaupt ein Fuß in die Tür der Anwender zu bekommen. Dabei wird es sich um einen Lernprozess für beide Seite handeln, den ich auf etwa fünf Jahre schätze, bis dieses Modell bei den Anwendern zu einer signifikanten Adaptionsrate führt.

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Diversifizierung? Microsofts Cloud OS Partner Netzwerk mutiert zu einer "OpenStack Community"

Im ersten Moment ließt sich die Ankündigung zum neuen Microsoft Cloud OS Partner Network in der Tat interessant. Wer nicht direkt die Microsoft Public Cloud nutzen möchte, kann ab sofort einen von zahlreichen Partnern wählen und dort indirekt auf dieselben Microsoft Technologien zurückgreifen. Ebenfalls lässt sich eine Hybrid Cloud zwischen der Microsoft Cloud und den Partner Clouds oder dem eigenen Rechenzentrum aufspannen. Für Microsoft und dessen technologischer Verbreitung innerhalb der Cloud ist es tatsächlich ein kluger Schachzug. Für das sogenannte „Cloud OS Partner Network“ kann die Aktion aber schön nach hinten losgehen.

Das Microsoft Cloud OS Partner Network

Das Cloud OS Netzwerk besteht aus mehr als 25 Cloud Service Provider weltweit, die sich nach Microsoft Angaben, auf hybride Cloud-Szenarien speziell mit der Microsoft Cloud Plattform konzentrieren. Hierzu setzen diese auf eine Kombination des Windows Server mit Hyper-V, System Center und dem Windows Azure Pack. Microsoft möchte damit seine Vision unterstreichen, sein Cloud OS als Basis für Kunden-Rechenzentren, Service-Provider Clouds und der Microsoft Public Cloud zu etablieren.

Hierzu bedient das Cloud OS Partner Netzwerk mehr als 90 verschiedene Märkte mit einer Kundenbasis von insgesamt drei Millionen Unternehmen weltweit. Insgesamt 2,4 Millionen Server und mehr als 425 Rechenzentren bilden die technologische Basis.

Zu dem Partner Netzwerk gehören unter anderem T-Systems, Fujitsu, Dimension Data, CSC und Capgemini.

Vorteile für Microsoft und die Kunden: Lokalität und Verbreitung

Für Microsoft ist das Cloud OS Partner Netzwerk ein kluger Schachzug, um gemessen an der Verbreitung von Microsoft Cloud Technologien, weltweit mehr Marktanteile zu bekommen. Hinzu kommt, dass es sehr gut in Microsofts bewährte Strategie passt, die Kunden überwiegend nicht direkt, sondern über ein Netzwerk von Partnern zu versorgen.

Auch den Kunden kommt das Partner Netzwerk prinzipiell entgegen. Unternehmen, die bisher aus Gründen der Datenlokalität, oder lokaler Richtlinien wie dem Datenschutz, die Microsoft Public Cloud (Windows Azure) gemieden haben, können sich nun einen Anbieter in ihrem eigenen Land suchen, ohne auf die gewünschte Technologie zu verzichten. Für Microsoft eröffnet sich damit ein weiterer Vorteil, nicht zwingend ein Rechenzentrum in jedem Land zu bauen und sich lediglich auf die Bisherigen oder strategisch Wichtigeren zu konzentrieren.

Microsoft kann sich damit ein wenig zurücklehnen und den unbequemen Vertrieb erneut das Partnernetzwerk übernehmen lassen. Einnahmen werden wie vor dem Cloud Zeitalter mit dem Lizenzverkauf an den Partnern generiert.

Nachteile für die Partner: Diversifizierung

Man kann an dem Partner Netzwerk vieles schönreden. Fakt ist, dass Microsoft mit dem Cloud OS Netzwerk eine vergleichbare Konkurrenzsituation schafft, wies sie sich in der OpenStack Community gebildet hat. Speziell in der Public Cloud existieren dort mit Rackspace und HP nur zwei „Top Anbieter“, die im weltweiten Cloud Zirkus jedoch nur eine untergeordnete Rolle spielen. Insbesondere HP hat derzeit zu viel mit sich selbst zu kämpfen und konzentriert sich dadurch viel zu wenig auf Innovationen. Das Hauptproblem beider und all den anderen OpenStack Anbietern besteht jedoch darin, dass sie sich nicht voneinander unterscheiden. Stattdessen stehen die meisten Anbieter in direkter Konkurrenz zueinander und heben sich derzeit nicht nennenswert voneinander ab. Das ist dem Umstand geschuldet, dass alle auf exakt dieselbe technologische Basis setzen. Eine Analyse zur Situation der OpenStack Community befindet sich unter „Gefangen im goldenen Käfig. OpenStack Provider sitzen in der Falle.

Die Situation für das Cloud OS Partner Netzwerk ist sogar noch ein wenig unbequemer. Anders als bei OpenStack ist Microsoft alleiniger Technologielieferant und bestimmt wo es lang geht. Das Partner Netzwerk muss schlucken was es vorgesetzt bekommt oder kann sich nur durch die Adaption weiterer fremder Technologiestacks behelfen, was zu einem Mehraufwand führt und für weitere Kosten hinsichtlich der Entwicklung und den Betrieb sorgt.

Abgesehen von den lokalen Märkten, stehen alle Cloud OS Service Provider in einem direkten Wettbewerb zueinander und haben ausschließlich auf Basis der Microsoft Technologien keine Möglichkeit sich anderweitig zu differenzieren. Ein Guter Support und Professional Services sind zwar enorm wichtig und ein Vorteil, aber kein USP in der Cloud.

Falls das Cloud OS Partner Netzwerk floppt wird Microsoft mit einem blauen Auge davon kommen. Den großen Schaden werden die Partner davontragen.

Technologie als Wettbewerbsvorteil

Betrachtet man die wirklich erfolgreichen Cloud Anbieter am Markt, wird deutlich, dass es sich dabei um diejenigen handelt, die ihre Cloud auf einem eigenen Technologiestack aufgebaut haben und sich damit technologisch von den restlichen Anbietern am Markt differenzieren. Dabei handelt es sich um Amazon, Google oder Microsoft und eben nicht Rackspace oder HP die beide auf OpenStack setzen.

Das sollten sich Cloud OS Partner wie Dimension Data, CSC oder Capgemini vor Augen halten. Insbesondere CSC und Dimension Data haben selbst große Ansprüche in der Cloud ein Wort mitreden zu wollen.

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Cloud Computing Mythos: Es ist weniger Know-How erforderlich

Ich bin in einem Artikel, der die Vorteile des Cloud Computing hervorhebt, auf eine interessante Aussage gestossen. In einer Bildunterschrift heißt es „Es muss kein zusätzliches Know-how im Unternehmen aufgebaut werden.“ Das ist völlig falsch. Denn genau das Gegenteil ist der Fall. Es wird immer noch viel mehr Wissen benötigt, als von den Anbietern versprochen wird.

Das notwendige Wissen fehlt

Die Art und Menge des benötigten Wissens hängt von der Art des Service ab, der aus der Cloud genutzt wird. Für eine vermeintlich hochstandardisierte Software-as-a-Service (SaaS) Applikation wie E-Mail wird hinsichtlich des Service und seiner Eigenschaft deutlich weniger Wissen benötigt, als ein Service, der einen bestimmten Prozess abbildet.

Für die Nutzung von Infrastructure-as-a-Service (IaaS) oder Platform-as-a-Service (PaaS) verhält es sich jedoch ganz anders. Zwar übernimmt der Anbieter in diesem Fall den Aufbau, Betrieb und die Wartung der physikalischen Infrastruktur. Die Verantwortung für die virtuelle Infrastruktur (IaaS) obliegt jedoch dem Kunden. Der Anbieter selbst – über kostenpflichtigen Support – oder zertifizierte Systemintegratoren helfen hier beim Aufbau und Betrieb. Genau so verhält es sich bei dem Betrieb einer eigenen Applikation auf einer Cloud-Infrastruktur. Der Cloud Anbieter selbst ist dafür nicht verantwortlich, sondern stellt lediglich die Infrastruktur sowie Mittel und Wege in Form von APIs, Weboberflächen und ggf. weiteren Mehrwertservices zur Verfügung, um den Kunden die Entwicklung zu erleichtern. In diesem Zusammenhang muss auch verstanden werden, dass je nach Cloud-Skalierung – Scale-out vs. Scale-up – die Applikation vollständig anders für die Cloud entwickelt werden muss – nämlich über mehrere Systeme hinweg automatisch skalierbar verteilt (Scale-out) – als es in einer nicht Cloud-Umgebung der Fall ist. Dieses architekturelle Wissen fehlt in den meisten Unternehmen an allen Ecken und Enden, was auch dem Fakt geschuldet ist, dass Hochschulen und Universitäten diese Art des programmatischen Denkens bisher nicht vermittelt haben.

Cloud Computing ist derzeit noch komplexer als es auf dem ersten Blick erscheint. Das Paradebeispiel hierfür ist Netflix. Der US-amerikanische Video-on-Demand Anbieter betreibt seine Plattform innerhalb einer Public Cloud Infrastruktur (Amazon AWS) und hat neben einem umfangreichen Produktivsystem, welches den skalierbaren und performanten Betrieb sicherstellt, ebenfalls eine umfangreiche Test-Suite – die Netflix Symian Army – entwickelt, die nur dafür zuständig ist, den einwandfreien Betrieb des Produktivsystems sicherzustellen – u.a. werden laufend willkürlich virtuelle Maschinen bewusst abgeschossen und das Produktivsystem muss dennoch weiterhin einwandfrei funktionieren.

Bedarf an Managed Cloud steigt

Die Komplexität lässt sich durch das Deploymentmodell zwar weniger verringern, die Verantwortung und das notwendige Know-How jedoch verschieben. Innerhalb einer Public Cloud regiert der Self-Service. Das bedeutet, dass der Kunde zunächst zu 100 Prozent auf sich selbst gestellt ist und die alleinige Verantwortung für die Entwicklung und den Betrieb seiner Applikation trägt.

Dieses haben viele Unternehmen erkannt und gestehen sich ein, dass sie entweder nicht über das notwendige Wissen, Personal und weitere Ressourcen verfügen, um erfolgreich eine Public Cloud (IaaS) zu nutzen. Stattdessen bevorzugen bzw. erwarten sie Hilfe von den Cloud Anbietern. In diesen Fällen handelt es sich allerdings nicht um Public Cloud Anbieter, sondern um Managed Cloud/ Business Cloud Anbieter, die neben Infrastruktur ebenfalls mit Professional Services helfen.

Mehr zum Thema Managed Cloud kann unter „Die Bedeutung der Managed Cloud für Unternehmen“ nachgelesen werden.

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Die Amazon Web Services greifen nach der Enterprise IT. Ein Realitätscheck.

Die AWS re:Invent 2013 ist vorbei und die Amazon Web Services (AWS) haben mit einigen neuen Services begonnen, die Hände weiter nach den Unternehmenskunden auszustrecken. Nachdem sich AWS als führender Infrastrukturanbieter und Enabler für Startups und neue Geschäftsmodelle in der Cloud etabliert hat, versucht das Unternehmen aus Seattle schon seit geraumer Zeit einen Fuß direkt in das lukrative Unternehmensumfeld zu bekommen. Aktuelle Public Cloud Marktzahlen für das Jahr 2017 von IDC (107 Milliarden Dollar) und Gartner (244 Milliarden Dollar) geben AWS Rückenwind und bestärken den IaaS Marktführer in seiner reinen Public Cloud Strategie.

Die neuen Services

Mit Amazon WorkSpaces, Amazon AppStream, AWS CloudTrail und Amazon Kinesis hat Amazon interessante neue Services präsentiert, die insbesondere Unternehmenskunden adressieren.

Amazon WorkSpaces

Amazon WorkSpaces ist ein Service, der virtuelle Desktops auf Basis von Microsoft Windows bereitstellt, mit dem sich eine eigene Virtual Desktop Infrastructure (VDI) innerhalb der Amazon Cloud aufbauen lässt. Als Basis kommt der Windows Server 2008 R2 zum Einsatz, der Desktops mit einer Windows 7 Oberfläche ausrollt. Alle Services und Applikationen werden aus Amazon Rechenzentren auf die entsprechenden Endgeräte gestreamt, wobei das PCoIP (PC over IP) von Teradici zum Einsatz kommt. Dabei kann es sich um Desktop-PCs, Notebooks, Smartphones oder Tablets handeln. Zudem lässt sich Amazon WorkSpaces mit einer Microsoft Active Directory kombinieren, was die Benutzerverwaltung vereinfacht. Standardmäßig werden die Desktops mit bekannten Anwendungen wie Firefox oder Adobe Reader/ Flash ausgeliefert. Dies lässt sich von den Administratoren beliebig anpassen.

Mit Amazon WorkSpaces betritt Amazon völlig neues Terrain, in welchem mit Citrix und VMware bereits zwei absolute Marktgrößen warten. VMware hatte erst während der VMworld in Barcelona die Übernahme von Desktone bekanntgegeben. VDI ist grundsätzlich ein sehr spannendes Marktsegment, da es die Unternehmens-IT von Administrationsaufgaben erlöst und Infrastrukturkosten reduziert. Allerdings handelt es sich hierbei um ein noch sehr junges Marktsegment. Unternehmen sind zudem noch sehr vorsichtig bei der Auslagerung ihrer Desktops, da anders als bei klassischen on-Premise Terminal Services, die Bandbreite (Netzwerk, Internet, Datenverbindung) von entscheidender Bedeutung ist.

Amazon AppStream

Amazon AppStream ist ein Service, der als ein zentrales Backend für graphisch umfangreiche Applikationen dient. Damit soll die eigentliche Leistung des Endgeräts, auf dem die Applikationen genutzt werden, keine Rolle mehr spielen, da sämtliche Ein- und Ausgaben innerhalb der Amazon Cloud verarbeitet werden.

Da die Leistung der Endgeräte in Zukunft wahrscheinlich eher noch mehr zunehmend wird, muss die lokale Leistung vermutlich nicht berücksichtigt werden. Allerdings ist der Service für den Aufbau einer echten Mobile Cloud, bei der sich sämtliche Daten und Informationen in der Cloud befinden und die Geräte lediglich als Konsumenten genutzt werden, durchaus interessant. Weiterhin ist die Kombination mit Amazon WorkSpaces zu betrachten, um Applikationen auf Endgeräte bereitzustellen, die lediglich als ThinClients dienen und keine weitere lokale Intelligenz und Leistung benötigen.

AWS CloudTrail

AWS CloudTrail hilft beim Überwachen und Aufzeichnen der AWS API Aufrufe von einem oder mehrerer Accounts. Dabei werden Aufrufe über die AWS Management Console, dem AWS Command Line Interface (CLI), von eigenen Anwendungen oder Anwendungen von Drittanbietern berücksichtigt. Die erhobenen Daten werden entweder in Amazon S3 oder Amazon Glacier zur Auswertung gespeichert und lassen sich über die AWS Management Console, dem AWS Command Line Interface oder Tools von Drittanbietern betrachten. Derzeit lassen sich nur Amazon EC2, Amazon ECS, Amazon RDS und Amazon IAM überwachen. Amazon CloudTrail kann kostenlos genutzt werden. Kosten entstehen für das Speichern der Daten auf Amazon S3 und Amazon Glacier sowie für die Benachrichtigungen über Amazon SNS.

AWS CloudTrial gehört, auch wenn er nicht sehr spannend ist (Logging), zu den wichtigsten Services für Unternehmenskunden, die Amazon in letzter Zeit veröffentlicht hat. Die gesammelten Logdateien helfen bei der Compliance, indem sie sämtliche Zugriffe auf AWS Services aufzeichnen und damit das Einhalten von gesetzlichen Rahmenbedingungen nachweisen können. Ebenso verhält es sich mit Sicherheitsaudits, bei denen sich damit Sicherheitslücken und unberechtigte oder fehlerhafte Zugriffe auf Daten nachvollziehen lassen. Amazon ist gut beraten, AWS CloudTrail schnellstmöglich über alle weiteren AWS Services zu erweitern und für sämtliche Regionen weltweit verfügbar zu machen. Insbesondere die Europäer werden es danken.

Amazon Kinesis

Amazon Kinesis ist ein Service zur Echtzeitverarbeitung von großen Datenströmen. Hierzu ist Kinesis in der Lage Datenströme beliebiger Größe aus einer Vielzahl unterschiedlicher Quellen zu verarbeiten. Die Steuerung erfolgt aus der AWS Management Console, indem sich einer Anwendung unterschiedliche Datenströme zuweisen und darüber speichern lassen. Auf Grund von Amazons massiver Skalierbarkeit bestehen keine Kapazitätsbegrenzungen. Allerdings werden die Daten automatisch auf die weltweiten Amazon Rechenzentren verteilt. Als Use Cases für Kinesis gelten die üblichen Verdächtigen: Finanzdaten, Social Media sowie Daten aus dem Internet of Things/ Everything (Sensoren, Maschinen usw.).

Der eigentliche Vorteil von Kinesis, als Big Data Lösung, besteht in der Echtzeitverarbeitung von Daten. Gängige Standard-Lösungen am Markt verarbeiten die Daten via Batch, wodurch die Daten niemals zum direkten Zeitpunkt, sondern maximal ein paar Minuten später verarbeitet werden können. Kinesis hebt diese Barriere auf und ermöglicht neue Möglichkeiten zur Auswertung von Live-Daten.

Herausforderungen: Public Cloud, Komplexität, Self-Service, „Lock-in“

Schaut man auf die aktuellen AWS Referenzen, ist die Quantität als auch die Qualität beeindruckend. Schaut man genauer hin, handelt es sich bei den Top-Referenzen allerdings weiterhin um Startups, unkritische Workloads oder komplett neue Entwicklungen die dort verarbeitet werden. Das bedeutet, dass die meisten bestehenden IT-Systeme, um die es tatsächlich geht, sich noch gar nicht in der Cloud befinden. Das hängt neben den Bedenken vor dem Kontrollverlust und Compliance Themen damit zusammen, dass das Scale-out Prinzip es für Unternehmen beliebig kompliziert macht, ihre Anwendungen und Systeme in die AWS-Cloud zu migrieren. Am Ende läuft es darauf hinaus, dass sie von Vorne beginnen müssen, da ein nicht verteilt entwickeltes System nicht so funktioniert, wie es auf einer verteilten Cloud Infrastruktur laufen sollte – Stichworte: Skalierbarkeit, Hochverfügbarkeit, Multi-AZ. Das sind Kosten die nicht unterschätzt werden sollten. Das führt dazu, dass selbst die Migration eines vermeintlich einfachen Webshops zu Herausforderungen für Unternehmen werden, die nicht über die Zeit und das notwendige Cloud-Wissen verfügen, um den Webshop für die (Scale-out) Cloud Infrastruktur neu zu entwickeln.

Hinzu kommt, dass sich die Skalierbarkeit und Verfügbarkeit einer Applikation auf der AWS Cloud nur sauber realisieren lässt, wenn man sich an die Services und APIs hält, mit denen dies sichergestellt wird. Weiterhin stehen viele weitere infrastrukturnahe Services zur Verfügung bzw. werden ständig veröffentlicht, die das Leben für den Entwickler sichtlich einfacher machen. Der Lock-in ist damit vorprogrammiert. Zwar bin ich auf dem Standpunkt, dass ein Lock-in nichts Schlechtes sein muss, solange der Anbieter die gewünschten Anforderungen erfüllt. Dennoch sollte sich ein Unternehmen vorher überlegen, ob diese Services tatsächlich zwingend benötigt werden. Virtuelle Maschinen und Standard-Workloads lassen sich relativ einfach umziehen. Bei Services, die sehr nah in die eigene Applikationsarchitektur eingreifen, sieht es anders aus.

Zum Schluss. Auch wenn einige Marktforscher der Public Cloud eine goldende Zukunft prophezeien, sollte man die Zahlen nicht zu sehr auf die Goldwaage legen. Cloud Marktzahlen werden schon seit Jahren immer mal wieder nach unten korrigiert. Außerdem muss man im Einzelfall betrachten, wie sich diese Zahlen tatsächlich zusammensetzen. Aber darum geht es hier nicht. Am Ende des Tages geht es darum, was der Kunde will. Andy Jassy hat auf der re:Invent noch einmal deutlich gemacht, dass Amazon AWS konsequent auf die Public Cloud setzen wird und in keine eigenen Private Cloud Lösungen investieren wird. Man kann dies nun als Arroganz und Ignoranz gegenüber den Kunden, dem puren Willen nach Disruption oder einfach nur Selbstbestätigung interpretieren. Fakt ist, auch wenn Amazon wohl die Private Cloud für die CIA bauen wird, haben sie bei weitem nicht die Ressourcen und Kenntnisse, um als Softwareanbieter am Markt aufzutreten. Amazon AWS ist ein Service-Anbieter. Allerdings haben sie mit Eucalyptus einen starken Verbündeten auf der Private Cloud Seite, der es ermöglicht eine AWS-ähnliche Cloud Infrastruktur im eigenen Rechenzentrum aufzubauen.

Anmerkung hierzu: Nahezu alle Eucalyptus Kunden sollen ebenfalls AWS Kunden sein (Quelle: Eucalyptus). Das bedeutet im Umkehrschluss, dass einige Hybrid Cloud Infrastrukturen zwischen on-Premise Eucalyptus Infrastrukturen und der Amazon Public Cloud bestehen.

Vorteile: AWS Marketplace, Ökosystem, Enabler, Innovationstreiber

Was bei den ganzen Diskussionen um Amazon AWS und Unternehmenskunden leider immer wieder kläglich vergessen und auch von Amazon viel zu wenig beworben wird, ist der AWS Marketplace. Im Vergleich zu der Cloud Infrastruktur, die Kunden nutzen können, um eigene Lösungen zu entwickeln, bietet der Marketplace voll funktionsfähige Softwarelösungen von Partnern (z.B. SAP), die auf der AWS Infrastruktur automatisch ausgerollt werden können. Die Kosten für die Nutzung der Software werden pro Stunde oder pro Monat abgerechnet. Hinzu kommen die AWS Gebühren für die dafür benötigte Infrastruktur. Hier steckt der eigentliche Mehrwert für Unternehmen, ihre bestehenden Standardsysteme bequem in die Cloud auszulagern und sich von den on-Premise Systemen zu trennen.

Man muss bei den Amazon Web Services daher strikt zwischen der Nutzung von Infrastruktur für die Eigenentwicklung und dem Betrieb von fertigen Lösungen trennen. Beides ist in der der Amazon Cloud möglich. Hinzu kommt das Ökosystem von Partnern und Systemintegratoren, die AWS Kunden dabei helfen, ihre Lösungen zu entwickeln. Denn auch wenn AWS selbst (derzeit noch) ein reiner Infrastruktur Anbieter ist, müssen sie gleichermaßen als Plattform für andere Anbieter und Partner verstanden werden, die darauf ihre Geschäfte betreiben. Darin besteht auch der maßgebliche Erfolg und Vorteil gegenüber anderen Anbietern am Markt und wird langfristig die Attraktivität bei den Unternehmenskunden erhöhen.

Hinzu kommt, dass Amazon der absolute Innovationstreiber in der Cloud ist, dem kein anderer Cloud-Anbieter derzeit technologisch das Wasser reichen kann. Dazu bedarf es keiner re:Invent. Stattdessen zeigt sich dies nahezu jeden Monat von Neuem.

Amazon AWS ist – bedingt – tauglich für die Enterprise IT

Je nach Land und Use Case variieren die Anforderungen, die Amazon für Unternehmen erfüllen muss. Europäische Kunden sind hier meist bedachter mit der Datenhaltung und speichern die Daten lieber im eigenen Land. Ich saß schon mit mehr als einem Kunden zusammen, der technisch überzeugt war aber das Speichern der Daten in Irland nicht in Frage kam. In einigen Fällen ist es aber auch die fehlende Einfachheit der Nutzung. Das bedeutet, dass ein Unternehmen seine bestehende Anwendung oder Webseite nicht für die Amazon Infrastruktur (neu) entwickeln möchte. Gründe hierfür sind die fehlende Zeit und das Wissen um dies umzusetzen, was gleichzeitig zu einen längeren Time to Market führen würde. Beides lässt sich auf die Komplexität zurückführen, um auf den Amazon Web Services Skalierbarkeit und Verfügbarkeit zu erreichen. Es sind nun einmal nicht nur ein paar API-Aufrufe. Stattdessen muss die vollständige Architektur auf die AWS Cloud ausgerichtet werden. In Amazons Fall liegt es insbesondere an der horizontalen Skalierung (scale-out) die dies erforderlich macht. Die Unternehmen würden lieber die vertikale Skalierung (scale-up) bevorzugen, um das bestehende System 1:1 migrieren zu können und nicht von vorne zu beginnen, sondern direkt in der Cloud Erfolge zu erzielen.

Die AWS Referenzen zeigen allerdings auch, dass ausreichend Use Cases für Unternehmen in der Public Cloud existieren, bei denen die Datenhaltung eher als unkritisch betrachtet werden kann, solange die Daten vorher klassifiziert und anschließend verschlüsselt abgelegt werden.

Analysten Kollege Larry Carvalho hat sich auf der re:Invent mit ein paar AWS Unternehmenskunden unterhalten. Ein Kunde hat eine gehostete Webseite auf AWS für weniger als $7.000 Dollar implementiert, wofür ein anderer Systemintegrator $70.000 berechnen wollte. Ein anderer Kunde hat ausgerechnet, dass er für eine on-Premise Business Intelligence Lösung inkl. Wartung etwa $200.000 pro Jahr zahlen würde. Auf Amazon AWS lediglich $10.000 pro Jahr. Diese Beispiele zeigen, dass AWS auf der einen Seite ein Enabler ist. Auf der anderen Seite aber auch, dass die Sicherheitsbedenken in einigen Fällen den Kosteneinsparungen in den Unternehmen weichen werden.